VHS Ottakring

Projektdaten

Projekt-Art:

Sanierung I Umbau I Innenausbau I Zubau I Denkmalschutz

Auftraggeberin:

MA19

Planung:

RATAPLAN - Architektur ZT GmbH

Gemeinsam mit:

Otto Arnold, Nik Stützle, Katharina Wörgötter

Baubeginn:

08/2021

Projektbeschreibung

Die von Franz Ritter von Neumann entworfene Volkshochschule wurde in den Jahren 1904/05 errichtet. Im Bestand umfasste das Gebäude einen großen Saal für 400 Personen, mehrere kleine Säle, eine Leihbibliothek, eine Volkslesehalle, zahlreiche Lehreinrichtungen und eine Kantine. Die anspruchsvolle bürgerliche Architektur des repräsentativen Entrées, dem anschließenden zentralen Stiegenhauses und der Fassade steht unter Denkmalschutz. Nun wird das Gebäude saniert, umgebaut, neu organisiert und baulich sowie technisch komplett ertüchtigt. Anfang 2024 werden Lehrende und auch Studierende entlang des bestehenden historischen Stiegenhauses sowohl neue als auch bekannte Räumlichkeiten, die eine optimale Nutzung ermöglichen, im „neuen Kleid“ vorfinden.

 

Bauliche Maßnahmen
Die Nutzung als Volkshochschule bleibt bestehen, aber die vorhandene Raumstruktur wird auf Grund der neuen Nutzungsanforderungen, vor allem an die Barrierefreiheit und den baulichen Brandschutz, verändert und ergänzt. Dies ist eine besondere Herausforderung, da das Grundstück, flankiert von einer Blockrandbebauung, in den Hof hinein spitz wie ein Tortenstück verläuft und zur Gänze bebaut ist. Außerdem besitzt das Gebäude eine räumlich sehr reizvolle, aber komplexe Split-Level-Struktur.
Die größte räumliche Veränderung stellt der Abbruch des bestehenden Theatersaales dar, der durch einen ebenerdig erschließbaren Mehrzwecksaal ersetzt wird, welcher auch außerhalb der Kursbetriebszeiten genutzt werden kann. Außerdem wird die bestehende Terrasse hofseitig überbaut. Eine eingezogene Zwischenebene in den bestehenden kleinen Saal auf der Neumayrgassenseite und die Aufstockung des Dachbodens auf der Seite Ludo-Hartmann-Platz erhöhen die nutzbare Raumfläche. Im Lichthof 2 sorgt ein neuer Aufzug für Barrierefreiheit.
Neben dem derzeitigen Haupteingangsportal wird es zukünftig zwei weitere Portale geben: ein großes Portal an der Neumayrgasse und ein Kleineres am anderen Ende des Gebäudes am Ludo-Hartmannplatz. Dieses dient in erster Linie als Fluchtweg. Das barrierefreie Portal an der Neumayrgasse wird zum repräsentativen Eingang und führt direkt zum Veranstaltungssaal, sowie zu den Aufzügen. Gemeinsam mit dem Haupteingangsportal Ecke Neumayrgasse/Ludo-Hartmann-Platz nehmen die Eingänge in seinen Proportionen Bezug zum ursprünglichen Haupteingangsportal von 1905.
Die vor einigen Jahren komplett sanierte Fassade befindet sich in einem guten Zustand. Hinzugefügt werden Verschattungsscreens an den straßenseitigen Fenstern, die mit dem BDA abgestimmt wurden.

 

Raumorganisation
Kurs- und Verwaltungsbereiche werden klar getrennt: im Keller werden jene Kursräume untergebracht, für die eine räumliche Trennung von Verwaltung und übrigem Kursbetrieb erwünscht sind (Musikunterricht für Schlagzeug, Pausen- und Aktionsraum für Jugendliche). Das Tiefparterre beherbergt die Räume, welche von der Straße aus leicht erreichbar sein sollen (Veranstaltungssaal, Bewegungsraum, Kinderbetreuungsraum). Die Standardkursräume befinden sich übereinander im Straßentrakt am Ludo-Hartmann-Platz im 1.-3. Obergeschoß und dem zusätzlich zu einer Nutzungsebene aufgestockten Dachgeschoß. Im Hoftrakt wird über dem Veranstaltungssaal ein zusätzliches Geschoß (1.OG) mit einem neuen Turnsaal und den zugehörigen Nebenräumen eingezogen. Darüber befinden sich im nun 2.Obergeschoß des Hoftraktes 4 Kursräume mit entsprechend dem Grundstückszuschnitt unregelmäßiger Raumgeometrie. Ein großer Kursraum kann mittels einer mobilen Trennwand mit dem benachbarten Kursraum verbunden werden, um so größere Seminarveranstaltungen zu ermöglichen.

 

„Wolke 16“
Neues Herzstück der Volkshochschule ist die auf der ehemaligen Dachterrasse des Hoftraktes geplante „Wolke 16“. Auf Grund der niedrigeren Nachbarbebauung besteht dort ein attraktiver Ausblick über die Dachlandschaft des 16. Bezirks. Ein großer Multifunktionsraum kann mit dem angrenzenden Sozialraum verbunden werden.  Multifunktionsraum und Sozialraum verfügen über einen direkten Zugang zur umlaufenden Dachterrasse. Auf der Ostseite überspannt ein Rankgerüst die „Wolke 16“, dessen Begrünung Schatten und Kühlung bringt. Das Dach wird extensiv begrünt, so auch die Flachdächer über dem Erschließungsgang und der Stiege1.

 

Gestaltung, Farb- und Materialkonzept
Das Gebäude mit seiner komplexen Raumgeometrie und reichen Tradition der Wiener Volkshochschulen hat ein hohes identitätsstiftendes Potential, welches durch die Gestaltung hervorgehoben werden soll. Das in der ursprünglichen Attika von 1905 an der Hausecke thronende Relief einer Eule symbolisiert die Weisheit. Bei späteren Umbauten wurde die Eule entfernt. Als identitätsstiftendes Attribut soll die Eule nun durch eine Neuinterpretation als Metallkonstruktion wiederhergestellt werden.
Das denkmalgeschützte Foyer wird als repräsentativer Eingangsbereich erhalten. Eine umlaufende Bank betont die runde Grundrissform und regt zum informellen Verweilen an. Die geplante Deckenleuchte interpretiert den historischen „Luster“ in schlichter, moderner und eleganter Weise und unterstützt damit den repräsentativen Charakter des Foyers. Diese Leuchte findet sich in kleinerer Variante an den Podesten des denkmalgeschützten Stiegenhauses 2 wieder.
Die Grundstimmung der gewählten Materialien ist zurückhaltend in neutralen Farbtönen. Durch helle Holzoberflächen werden besondere Bereiche gestalterisch hervorgehoben (Böden, Trennwände, etc.). Stimmung entsteht durch den Einsatz von kräftigen Farben auf kleinen Flächen, wie Rot und Orange (Rückwände der Teeküchen, Sesselrückflächen, etc.).

 

Brandschutz und Fluchtwegskonzeption
Der bauliche Brandschutz und die Fluchtwegssituation befinden sich in einem überholten Zustand. Um daher einen zeitgerechten Zustand auch in Hinblick auf die barrierefreie Erschließung ins Gebäude und im Gebäudeinneren gewährleisten zu können, muss erheblich in die Gebäudestruktur eingegriffen werden. Dafür vorgesehen sind zwei neue Stiegenhäuser mit direktem Ausgang ins Freie. Der Fluchtweg vom Nachbargrundstück über das Volkshochschulgebäude wird vom Nachbarn nicht mehr benötigt und wurde bereits auf der Seite des Nachbargebäudes geschlossen. Der ebenerdig gestaltete Veranstaltungssaal erhält einen Fluchtweg auf die Neumayrgasse; ein Zweiter verläuft über die Stiege 2 und ein dritter Fluchtweg wird über einen Gang zum Ausgang in Richtung Ludo-Hartmann-Platz entwickelt.

 

 

Stimme des Direktors

"120 Jahre nach der Vereinsgründung steht die Generalinstandsetzung der VHS Ottakring kurz vor der Umsetzung. Die großangelegten baulichen Veränderungen bedeuten natürlich auch einen Abschied von Gewohntem und Geschichtsträchtigem. Mit RATAPLAN gibt es ein Gegenüber, das mit Fingerspitzengefühl und fachlicher Expertise den Spagat zwischen Bewahren und Verändern schafft. Der Plan für den Umbau am Ludo-Hartmann-Platz berücksichtigt sowohl die historische Bedeutung des Hauses, als auch die aktuellen und künftigen Bedarfe einer Einrichtung der Erwachsenenbildung. Ich freue mich, dass durch die ausgeklügelte und weitsichtige architektonische Konzeption abermals der Zeitgeist der Gründungsjahre erweckt wird und eine moderne, den aktuellen Lern- und Arbeitsanforderungen angepasste Volkshochschule entsteht!"
(Thomas Laimer, Direktion VHS 18.03.2021)

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historische Aufnahme
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